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Was wirfst du über Bord?

Die Tage hatte ich eine interessante Diskussion zum Thema „Ziele stecken“.
Dabei haben wir natürlich ganz im Konsens darüber gesprochen, wie wichtig es ist, sich Ziele zu stecken, sie auszuformulieren und in regelmäßiger Revue diese auch auszuwerten.
Nach dem Motto: habe ich meine Ziele erreicht? Wo bin ich stecken geblieben und was kann ich noch Weiteres tun, um diese Ziele umzusetzen?
Ich muss zugeben, in diesem Punkt bin ich nicht wirklich gut. Nicht dass ich keine Ziele hätte, auch weiß ich wohin ich mich und mein Unternehmen in den kommenden Jahren entwickeln möchte. Doch häufig ist das mehr ein Bild, ein Gefühl, eine Tendenz als konkrete Worte. Das Bild hilft mir sozusagen im Fokus zu bleiben und in manchen Punkten verändert es sich dynamisch. Kennst Du das auch? Oder bleibst du bei Deinen Zielen und einmal gemachten Entscheidungen, komme was wolle?
Wie reagierst Du auf sich verändernde Umstände? Passt Du Deinen Weg, Dein Ziel daran an? Reflektierst Du Deine bereits getroffene Entscheidung erneut und bist bereit, alles „auf Anfang“ zu setzen? Ich beobachte nicht selten, dass immer wieder Menschen davor zurückscheuen und meinen, dass ihre Souveränität und Verlässlichkeit gerade darin liegen, fest und verrückbar auf dem bereits eingeschlagenen Weg zu dem fokussierten Ziel zu bleiben. Sie investieren viel Kraft, Zeit und manchmal auch Geld, um daran festzuhalten und die Sache zu Ende zu bringen. Alles wird dem Ziel untergeordnet.
Sicher gab und (hoffentlich) gibt es Gründe, das bisherige Ziel weiter im Auge zu behalten, doch jetzt mal ehrlich, kann es sein, dass wir an diesem Punkt vielleicht eher über „Unbeweglichkeit“ oder „Perfektionismus“ sprechen müssen, als über Verlässlichkeit und Souveränität?
Nicht erst seit Covid19 gibt es den sogenannten Megatrend „Permanent Beta“. Dieser besagt, dass in unserer Welt die Veränderung nicht mehr bis zum Ende umgesetzt werden kann, da sie bereits von der nächsten Veränderungswelle überholt wird und die zweite von der dritten und so weiter. Unterm Strich bedeutet das, dass wir unsere Projektierungen, Meilensteine und Zielformulierungen in diesem sich ständig erneuernden Veränderungprozess nicht zu Ende bringen können. Demnach bleibt die Umsetzung der geplanten Schritte stetig unter dem zu Beginn angepeilten Ziel. Permanent Beta eben, einfach nicht perfekt.
Vor diesem Hintergrund verschiebt sich der Fokus von der Zielerreichung zu der eigentlichen Frage, wie das Problem zu lösen ist oder die Umstände verändert werden können. Weg also von dem Gedanken, dem Ziel unbedingt zu folgen hin zu dem Aspekt, dass unter veränderten Umständen sich ggfs. auch das Problem, die Ansprüche und sogar die Lösung geändert haben. Es ist mittlerweile eine Frage der persönlichen Resilienz, Ziele und die Wege dorthin dynamisch zu halten.
Wenn unsere Ziele uns dienen sollen – und nicht umgekehrt – dann können sie nicht statisch sein. An diesem Punkt fällt mir eine Frage ein, die #PeterDrucker im Zusammenhang von Veränderungsprozessen gestellt hat: Was lässt Du ab morgen sein? Welches Ziel wirfst Du ab morgen über Bord? Welche Prozesse lässt Du ab morgen leerlaufen? Spannend, oder?